Literatur Podium Bergedorf

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Susanne Neuffer

"Schnee von Teheran"

Babette Kleinhempel begibt sich auf eine ,Bildungsreise', als Flucht vor der Lehrerexistenz.
Viel lieber würde sie zugeben, Callgirl, Bestatterin oder Waffenhändlerin zu sein - "das war wenigstens richtig anrüchig, das waren die Berufe, die vor die Stadttore gehörten" - als sich zu ihrem tatsächlichen Beruf zu bekennen, aus dem sie sich innerlich längst verabschiedet hat. Die Reise soll sie zu vermeintlichen Wurzeln im "fränkischen Jerusalem" führen, zu Toten und Torten und in absterbende sächsische Bergwerke - immer auf der Suche nach der Faszination des Ursprünglichen, nach "wirklicher"Arbeit.

Dabei sammelt sie Ideen und Beobachtungen für den Zuckerbäcker Reza, der eine komplizierte zuckrige Tröstung, "Schneevon Teheran", für sie kreieren wird. Unterwegs erinnert und erzählt sie die Welt, in der sie arbeitet, zeigt die Krankheiten ihres Berufsstandes, die Glätte eines Systems und die liebenswerte Tapferkeit seiner Protagonisten. Sie blättert ihre Lebensgeschichte auf und experimentiert mit eigenen und fremden Gefühlen. Am Ende wagt sie einen halbherzigen Ausstieg - mit erwartbaren Konsequenzen.



Susanne Neuffer ist in Nürnberg geboren und aufgewachsen und lebt als Autorin in Hamburg.
Sie kann auf mehrere Veröffentlichungen und Literaturpreise zurück blicken, u.a.
den Literaturförderpreis der Stadt Hamburg 1996 (Lyrik) und 2014.

Die Jury 2014 sagte über ihre Arbeit: "Susanne Neuffer gelingt es, in ihren Texten durch präzise geschilderte Beobachtungen einen Blick hinter die Fassaden des Erwartbaren zu werfen, ohne dabei die Protagonisten zu verraten, da dieser Blick zugleich von einer Liebe zum Ungebürsteten und Schrägen in den Menschen zeugt."




 
 


 
Rainer Moritz

"Wer hat den schlechtesten Sex?"

Die schönste Sache der Welt! Die Glücklichen unter uns kommen hin und wieder in ihren Genuss, die meisten aber haben Probleme mit dem Kommen, dem Nicht-Können oder dem zu heftigen Wollen. Die größten Probleme jedoch haben Schriftsteller, denn die richtigen Worte für die körperliche Liebe zu finden ... DAS ist eine Kunst. Früher ging es in der Literatur meist züchtig zu und der Geschlechtsakt wurde mit einem »Am nächsten Morgen« dezent übersprungen, aber ein Gegenwartsroman scheint ohne detailiertere Schilderung kaum mehr vorstellbar zu sein. Rainer Moritz begibt sich auf Stellensuche - vor allem in der deutschsprachigen Literatur der vergangenen Jahrzehnte. Es geht um peinliche Verrenkungen, tierische Vergleiche, um das Non-Verbale, um die »Angstblüten« des Alterssex und um Spielarten, die die Generation seiner Eltern nicht dem Sexualleben Mitteleuropas zugeordnet hätte. Stöhnend kommen u. a. Elfriede Jelinek, Clemens J. Setz, Peter Härtling, Sibylle Berg, Martin Walser, Michael Kleeberg, Andreas Altmann und Karen Duve zu Wort. Dieses an- und aufregende Buch ist ohne Frage eine Stellenbeschreibung und eine Literaturkritik der besonderen Art.



Rainer Moritz wurde 1958 in Heilbronn geboren und studierte an der Universität Tübingen Germanistik, Philosophie und Romanistik. 1988 promovierte er mit einer literaturwissenschaftlichen Arbeit über Hermann Lenz. Von 1989 bis 2005 arbeitete er in mehreren Verlagen, zunächst als Lektor beim Tübinger Francke-Verlag, als Leiter der Philologischen Abteilung beim Berliner Erich Schmidt Verlag, dann als Cheflektor beim Verlag Reclam Leipzig und als Programmgeschäftsführer beim Verlag Hoffmann und Campe. Er machte sich einen Namen als Germanist, Literaturkritiker und Autor. In seinen Büchern beschäftigte er sich u.a. mit Fussball, Fernbeziehungen, Schlafstörungen und der Liebe - meist mit einem Augenzwinkern. Seit 2005 leitet er das Literaturhaus Hamburg.

 
 


 
Sonja Baum

"Am Tresen lauert die Gefahr"

Sonderbare Gestalten gehen in Harrys Bar ein und aus: Dernurkurzetrinkt sitzt in seiner Ecke, trinkt nur Kurze und wird dann wegen Mordverdachts verhaftet.

Der Schattenmann versucht, seine Drogen zu verticken. Erfolglos. Die Russenmafia will einen Mord rächen, stürzt dabei aber über eine Clematis.

Eine Tüte mit einer Million Euro in Scheinen taucht auf - und verschwindet wieder.

Und zu allem Überfluss vernebelt die Zeitlupenfrau dem Barmann Harry den Kopf.

Der Erzähler wartet am Tresen auf Sibille und merkt: Die Geschichte läuft ihm langsam aus dem Ruder.

Da schaltet sich der Autor ein und versucht, ihn zur Vernunft zu bringen. Es geht schließlich um viel Geld.



Was wirklich geschieht: Virtuos mixt Sonja Baum in ihrem Romandebüt einen hinreißenden Cocktail aus Novelle und Kriminalliteratur, spielt mit Klischees und Versatzstücken. Und beleuchtet humorvoll die konstitutive Rolle der Erzähltechniken für die Realität des Erzählten. Am Ende bringt das Erzählen selbst Realität hervor. Und eine Million Euro wechseln den Besitzer. Die Autorin weiß, worüber sie schreibt: Aufgewachsen im Hamburger Rotlichtmilieu, fing Sonja Baum mit vierzehn Jahren an, in den Bars der Meile zu arbeiten. Als sie Zeugin einer Schießerei wurde, schmiss sie alles hin, nahm einen neuen Namen an und lebt heute in der Lüneburger Heide, ist Mutter dreier Kinder von vier Vätern und züchtet Kartoffeln.

 
 


 
Gunter Gerlach

"Stellvertreter der Wut"

Holm ist Honorar-Terrorist. Er wirft Farbbeutel gegen Fassaden, zündet Autos an oder zerschmettert Glasscheiben - als Rache an unbarmherzigen Unternehmern, Beamten, Finanzbetrügern und Hausbesitzern.

All dies aber nicht etwa aus Überzeugung, sondern im Auftrag von Wutbürgern. Er arbeitet als freiberuflicher Anarchist. Wegen seiner Unfähigkeit lieben zu können, bekommt er von einer Freundin das Angebot, mit ihr zu leben, um Liebe zu lernen. Doch kaum ist dies verabredet, verliebt er sich tatsächlich in eine andere Frau bei einer scheinbar zufälligen Begegnung.

Holms Leben ist plötzlich überaus kompliziert. Er macht auf einmal Fehler bei seinen Aufträgen, und die Polizei kommt ihm auf die Spur. Dann ist da ein toter Mann, der so keinesfalls eingeplant war. Wie kommt Holm aus all dem unbeschadet heraus?



Klingt ungewöhnlich? Ist es auch. Ein klassischer "Gerlach-Krimi" eben. Denn bei Gunter Gerlach bekommen nicht nur die vermeintlichen Täter eine echte Chance, sondern auch die Sprache! Gunter Gerlach wurde 1941 in Leipzig geboren. 1961 - 1967 absolvierte er eine Ausbildung an der Hamburger Hochschule für bildende Künste. 1965 war er Gründungsmitglied der Gruppe "Cruizin 4 - Syndikat für Kunstbetrieb" (mit Dieter Glasmacher, Werner Nöfer, Hermann Prigann, Dirk Zimmer). 1986 gründete er die Autorengruppe PENG gemeinsam mit Lou A. Probsthayn, Reimer Eilers und Nicolas Nowack. Seit 1984 veröffentlichte er mindestens 35 Romane und Erzählbände und gewann ein gutes Dutzend Literaturpreise, u.a. den Deutschen Krimipreis. Außerdem wirkt er mit an Hörspielen, Theaterarbeit und Performances. Dazu Beiträge in zahlreichen Anthologien sowie Installationen im Bereiche Visueller Poesie.

 
 


 
Sascha Reh

"Gegen die Zeit"

Anfang der siebziger Jahre herrscht Aufbruchsstimmung in Santiago de Chile. Der sozialistische Präsident Salvador Allende ist fest entschlossen, das Land aus seiner wirtschaftlichen Abhängigkeit zu führen und die Not der verarmten Bevölkerung zu mildern. Dafür setzt er auf ein kühnes Projekt: Die Fabriken des unwegsamen Andenstaates sollen vernetzt und von einem zentralen Rechner gesteuert werden.

Ein internationales Team, unter ihnen der junge deutsche Industriedesigner Hans Everding, wird beauftragt, das Datennetzwerk aufzubauen. Begeistert ergreift Hans die Chance, an der Revolution mitzuwirken und für eine gerechtere Gesellschaft zu kämpfen. Der Putsch des Militärs setzt diesem Traum jäh ein Ende. Alle, die an dem Netzwerk mitgearbeitet haben, geraten in Lebensgefahr. Niemand weiß, wer Freund und wer Feind ist, und die gesammelten Daten dürfen keinesfalls in falsche Hände geraten.



Der Roman "GEGEN DIE ZEIT" erinnert an ein historisches Experiment mit überraschender Aktualität, Eine dramatische Geschichte von Aufbruch und Enttäuschung, von Vertrauen und Verrat. Sascha Reh wurde 1974 in Duisburg geboren und studierte Geschichte, Philosophie und Germanistik in Bochum und Wien. 2005 beendete er das Studium mit einer Magisterarbeit zur Geschichte der Filmtheorie. Bereits seit seinem 16. Lebensjahr schreibt er Prosa. Seit 1999 veröffentlichte er in unterschiedlichen Literaturzeitschriften und nahm an Lesungen im gesamten Ruhrgebiet teil. 2010 erschien sein Romandebüt "Falscher Frühling", für das er 2011 mit dem Niederrheinischen Literaturpreis ausgezeichnet wurde. Aktuell lebt er als Familientherapeut mit seiner Familie in Berlin.

 
 


 
Tom Liehr

"Nachttankstelle" & "Leichtmatrosen"

Nachttankstelle: Uwe Fiedler ist 38, chronisch migränekrank und ein netter Langweiler. Sein Leben ist eine einzige Übergangslösung, die Karriere stagniert auf niedrigstdenkbarem Niveau: Er schiebt Nachtschichten an einer Tankstelle. Aus praktischen Gründen lebt Uwe noch mit seiner Exfreundin zusammen, doch die will das nicht mehr. Und dann lernt Uwe zwei Menschen kennen, die sein Leben von Grund auf ändern: Jessy, die mysteriöse Tresenkraft einer Neuköllner Gardinenkneipe, und Matuschek, ein Hedonist sondergleichen. In Jessy verliebt er sich, Matuschek wird sein Mentor - und leider auch ziemlich schnell sein Rivale.

Leichtmatrosen: Patrick ist sich sicher, dass Cora ihn betrügt, und ausgerechnet jetzt hat er sich mit drei -sogenannten- Freunden verabredet, mit einem Hausboot die Havel hinaufzuschippern. Eine Idee, die ihm nun so klug vorkommt wie ein Landkauf auf dem Jupiter. Mit dem Schiff "Dahme", das sie gleich in "Tusse" umbenennen, stechen sie "in See". Zehn absurde, chaotische und doch wunderschöne Tage auf dem Wasser, die bei den vier Männern etwas zum Vorschein bringen, das sie alle eigentlich längst wissen: So kann es nicht weitergehen. Vier Männer und ein Boot - DAS Sommerbuch 2013, dessen Verfilmung gerade vorbereitet wird.

Tom Liehr wurde 1962 in Berlin geboren, studierte Informatik, arbeitete als Redakteur beim P.M. Magazin, beim Rundfunk, als Computerberater und Softwareentwickler und leitet seit 1998 ein Software-Unternehmen. 1990 gewann er im Playboy-Literaturwettbewerb mit 2 Kurzgeschichten den ersten und dritten Preis, was wohl der Auslöser für seine weitere Autorentätigkeit war. Seitdem veröffentlichte er acht Romane und zahlreiche Short Storys, sein Roman Leichtmatrosen wird demnächst verfilmt.







  
 


 
Ulrike Almut Sandig

"Buch gegen das Verschwinden"

Ein junger Journalist versucht inmitten der Unruhen um den Istanbuler Gezi-Park die Erwartungen seiner Mutter abzuschütteln, die nach dem Mauerfall 1989 das Reisefieber gepackt hat. Ein Wanderer geht während eines Schneesturms in den uralten verwunschenen Wäldern des Engadin verloren. Ein kleines Mädchen wird zum nächsten Venusdurchgang von der Großmutter ans Ende der Welt geflogen. Wohin ihre Spuren führen, ist eines der vielen Rätsel dieser Geschichten. Ulrike Almut Sandig beschreibt mit ihrer farbigen und poetischen Sprache nur scheinbar vergangene Orte. In Wirklichkeit leben sie in den Biografien der Älteren und den Lebensentwürfen der jungen Generation fort. Beziehungen werden von den Stürmen der Geschichte durchweht und trügerische Gewissheiten geraten ins Wanken. In ihrem neuen Buch bietet Ulrike Almut Sandig den Zauber des Erzählens gegen das Verschwinden ganzer Welten aus dem Bewusstsein auf.

Ulrike Almut Sandig, 1979 geboren, wuchs in einem Pfarrhaushalt in Nauwalde (Sachsen) auf. Sie studierte zunächst Religionswissenschaft und moderne Indologie in Leipzig, 2010 folgte ein Diplom am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Seit 2011 lebt sie mit ihrer Familie in Berlin. Sie veröffentlichte mehrere Gedichtbände, die zum Teil ausgezeichnet wurden, unter anderem mit dem Leonce-und-Lena-Preis 2009. Nach dem Erzählband "Flamingos" ist das "Buch gegen das Verschwinden" die zweite Prosa-Veröffentlichung.







 


 
Sasa Stanisic

"Vor dem Fest"

Es ist die Nacht vor dem Fest im uckermärkischen Fürstenfelde. Das Dorf schläft. Bis auf den Fährmann - der ist tot. Ein Glöckner und sein Lehrling wollen die Glocken läuten, das Problem ist bloß: die Glocken sind weg. Alte Geschichten, Sagen und Märchen ziehen mit den Menschen um die Häuser. Sie fügen sich zum Roman einer langen Nacht, zu einem Mosaik des Dorflebens, in dem Alteingesessene und Zugezogene, Verstorbene und Lebende, Handwerker, Rentner und edle Räuber in Fußballtrikots aufeinandertreffen. Sie alle möchten etwas zu Ende bringen, in der Nacht vor dem Fest. Vor dem Fest ist ein Roman über die letzten nicht globalisierten Deutschen. In der Uckermark fand Sasa Stanisic eine vernachlässigte deutsche Gegenwart, die in den Städten niemand für möglich hält. Exemplarische Geschichte im kleinsten Maßstab. Der Erzähler mischt sich ein und gehört dazu.
Sasa Stanisic ... wurde 1978 in Visegrad, einer Kleinstadt im östlichen Bosnien geboren. 1992, nach der Besetzung Visegrads, flüchtete er mit seinen Eltern zu einem Onkel nach Heidelberg - ohne ein Wort Deutsch zu sprechen. Stanisic besuchte die Internationale Gesamtschule Heidelberg, wo sein schriftstellerisches Talent von seinem Deutschlehrer gefördert wurde. Nach seinem Abitur im Jahr 1997 studierte er an der Universität Heidelberg Deutsch als Fremdsprache und Slawistik.

Im folgenden Jahr war der Nachwuchsautor mit einer Erzählung Was wir im Keller spielen ... im Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis 2005 vertreten. Das autobiographisch gefärbte Werk, das den Krieg in Ex-Jugoslawien aus der Sicht eines Kindes Revue passieren lässt, erhielt in Klagenfurt den Kelag-Publikumspreis. 2006 legte Stanisic mit "Wie der Soldat das Grammofon repariert" seinen Debütroman vor. In der semiautobiographischen Geschichte, die erneut vor dem Hintergrund des Bürgerkriegs angesiedelt ist, porträtiert der Autor den jungen Bosnier Aleksandar aus Visegrad, der mit seinen Eltern nach Deutschland flieht und sich in der neuen Heimat in eine Welt aus Geschichten und Erinnerungen flüchtet. Der Romanerstling erlangte die Gunst der Kritiker und ist in 30 Sprachen übersetzt worden. Das als poetisch und komisch zugleich bewertete Werk wurde 2006 Finalist für den Deutschen Buchpreis und erhielt 2007 den Förderpreis zum Literaturpreis der Stadt Bremen. Für seinen zweiten Roman "Vor dem Fest" wurde Stanisic 2014 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Sparte Belletristik geehrt. Im gleichen Jahr wurde er für den Deutschen Buchpreis nominiert (Longlist).
 
 


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